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Mit XTINCT ins Jahr der Biodiversität

Mit dem Start von 2010 wollen wir auch unsere Interviewreihe mit Shopbetreibern wieder aufleben lassen. Den Anfang machen XTINCT – was als Auftakt deshalb besonders gut passt, weil sich das Projekt dem Thema Erhaltung bedrohter Tierarten widmet — und erst gestern wurde 2010 als das “Jahr der Biodiversität” von unserer Bundeskanzlerin feierlich eröffnet. Zudem musste ich für das Interview keine langen Wege nehmen: Einer der beiden Initiatoren von XTINCT ist nämlich “unser” Jörg, den viele von euch als Moderator aus dem Forum kennen. Zusammen mit Sebastian betreibt er XTINCT und erzählt uns nun nicht nur, woher man so eine tolle Shopoberfläche bekommt, sondern auch was ein Quagga ist.

Was ist genau das Anliegen von XTINCT – und wie seid ihr auf die Idee gekommen, Aussterben und T-Shirt zu kreuzen (und z.B. nicht Plüschtiere oder Kissen)?

Plüschtiere gab es schon, sucht mal im Web nach killekilli 😉 Im Ernst, unser Ziel war es, auf effektive und kreative Weise das weltweite Artensterben zum Thema der öffentlichen Debatte zu machen. Und da eignen sich Klamotten, die überall in der Öffentlichkeit getragen und gesehen werden besser als Plüschtiere oder Kissen auf dem heimischen Sofa. Die Riesenseekuh zum Kuscheln bleibt eine tolle Sache! Auf die Idee mit den T-Shirts kam Sebastian jedenfalls während eines Konzertbesuches, als ihm beim Blick ins „uniformierte“ Publikum die vielen Motiv-T-Shirts ins Auge fielen. Ihm wurde klar, dass man solche Menschen mit einem traurigen Eisbär auf der Brust nicht zum Weinen bringt, mit einer tanzenden ausgestorbenen Seekuh aber bestimmt zum Lachen…

Und dann habt Ihr gedacht: Mensch, das wäre doch was für ein T-Shirt Label?

Als erstmal die Idee geboren war, ausgestorbene Arten auf Shirts zu bringen, um damit das Thema populär zu machen, war die Eröffnung eines Webshops der logische nächste Schritt. Dazu fand im März 2009 ein Wirkcamp in Würzburg statt, wo wir das Konzept in einem Team von zehn Leuten ausarbeiteten. Im August 2009 wurde der Shop mit zwölf Motiven von vier verschiedenen Designern eröffnet. Mittlerweile stehen mehr als 25 Motive zur Auswahl.

Das bedeutet, Webdesign und Motive kommen von verschiedenen Quellen? Wer hat das für Euch gestaltet?

Das xtinct-Logo und die Webseite entwickelten unsere Freunde von der Designagentur Artkolchose – für umme wohlgemerkt. Sie fanden die Idee von Anfang an toll und unterstützenswert. Für die regelmäßige Aktualisierung der Webseite beteiligen wir sie geringfügig an den Verkaufserlösen. Die xtinct-Motive selbst stammen absichtlich von ganz unterschiedlichen Künsterinnen und Künstlern, um mit einer großen Vielfalt an persönlichen Stilen die verschiedenen Geschmäcker der Kunden anzusprechen. Zur Auswahl stehen zum Beispiel drei knallige Motive vom Designertrio Peachbeach aus Berlin, eine filigrane Strichzeichnung von Sven Palmowski aus Barcelona, oder fünf tanzende Seekühe als reduzierte Vektorgrafik von Simone Fass aus Leipzig. In Zukunft werden noch mehr internationale Künstler hinzu kommen und die Webseite auch auf Englisch verfügbar sein.

Wie viel Zeit investiert Ihr in den Shop?

Da wir alle im Team ehrenamtlich dabei sind und jeder nebenbei studiert, arbeitet oder an seiner Promotion werkelt, bleiben pro Woche nur ein paar Stunden für xtinct übrig.

Wie und wo vermarktet Ihr den Shop und macht ihn bekannter?

So ein Projekt ist natürlich eine schöne Gelegenheit, den Einfluss der ganzen „Social Networks“ im Internet auszutesten, also wird fleißig gebloggt, getwittert, und auf Facebook geposted. Außerdem versenden wir regelmäßig Pressemitteilungen und schafften es so zum Beispiel in der Weihnachtsausgabe des Leipziger Stadtmagazins Kreuzer. Wir suchen derweil immer nach neuen Leuten mit Ideen, die helfen, unsere Kampagne bekannter zu machen.

Welches ist Dein Lieblingsmotiv und warum?

Mir (Jörg) gefällt momentan die Riesenschildkröte als Statue im Urwald von Peachbeach am besten. Die verpackt das Thema so herrlich subtil. Aber auch die knuffige Riesenseekuh von Beatrice Barth oder die Seekuh à la „Yellow Submarine“ von Friedemann Zschiedrich sind sehr charmant… bin gespannt, welche neuen Motive von diesen Designern demnächst dazu kommen.

Was denkt Ihr, wer Eure Kunden so sind?

Viele Kunden der vergangenen Monate stammen tatsächlich aus unserem erweiterten Bekanntenkreis. Natürlich kaufen unsere Shirts zuerst jene Leute, die schon vor der Kampagne vom Wert der Artenvielfalt und ihrer Bedrohung wussten – und nur auf den passenden Werbeträger im T-Format gewartet haben. Neben solchen Überzeugungstätern wollen wir mit unseren Designs aber auch die unvoreingenommene breite Masse ansprechen. Also jene Fans von Motiv-T-Shirts, die bisher nicht viel mit dem Thema Artenschutz am Hut hatten, sondern die Kampagne primär wegen der witzigen Idee und den coolen Designs mit dem Kauf eines Shirts unterstützen.

Was ist wichtiger: dass die Leute euer Anliegen verstehen und befürworten, oder dass sie ungewöhnliche T-Shirts mit ironischer Message kaufen?

Wie gesagt, die Shirts müssen raus auf die Straße! Dabei ist es eigentlich Jacke wie Hose, aus welcher ursprünglichen Motivation heraus das T-Shirt gekauft wurde. Überspitzt gesagt: ein Kunde, dem das Kampagnenziel beim Kauf egal war, dann aber durch unser Shirt mit 20 Leuten ins Gespräch kommt, trägt mehr zur Artenschutzdebatte bei, als ein Kunde, der das Thema zwar verinnerlicht hat, mit dem Shirt aber kaum vor die Haustür tritt.

Es gibt ja Leute, die sagen: Aussterben ist Teil der Evolution. Stichwort: Survival of the fittest. Was entgegnet ihr denjenigen?

Das stimmt, Aussterben ist auch ein Teil der Evolution. Allerdings leben wir momentan in einer Zeit, in der die Aussterberate die natürliche Rate um das 100- bis 1000-fache übersteigt. Und damit verlieren wir auf der Erde Vielfalt und Optionen. Zum Beispiel auch hinsichtlich Medikamenten, Leistungen der Ökosysteme, Nahrungsvielfalt. Was uns heute an Artenvielfalt verloren geht, kann morgen nicht zurückgeholt werden. Und auch, dass am Ende in den Klimazonen weltweit überall dieselben Pflanzen und Tiere leben, weil der Mensch für deren Ansiedlung gesorgt hat, kann nicht Sinn und Zweck sein. Gerade in der individuellen Vielfalt, die uns überall auf der Erde erwartet liegt doch auch einer der größten Schätze unserer Natur.

Was war Euer größter Erfolg bislang (mit oder ohne Spreadshirt)?

Ca. 80 verkaufte Produkte in den ersten drei Monaten sind ein guter Anfang… Und davon gehen immerhin circa 320 Euro als Spende an die Zoologische Gesellschaft Frankfurt.

Warum spendet Ihr gerade an die Zoologische Gesellschaft Frankfurt?

Die ZGF ist eine der anerkanntesten Naturschutzorganisationen Deutschlands und mit Projekten gerade an den weltweiten HotSpots der Artenvielfalt tätig, was im Sinne der Kampagne am meisten Sinn macht. Wir trafen auf dem Wirkcamp letztes Jahr den Direktor des Frankfurter Zoos, der sofort begeistert war und vorschlug mit der ZGF zu kooperieren. Gut möglich, dass wir in der Zukunft auch mit anderen Partnern zusammenarbeiten, und zum Beispiel auch die Projekte des Leipziger Zoos unterstützen.

Habt Ihr schon jemanden mit Euren T-Shirts rumlaufen sehen – den Ihr nicht kanntet?

Auf der Strasse nicht, aber, wie gesagt, auf Partys im Bekanntenkreis. Und ich bin schon zweimal in Leipzig mit fremden Leuten ins Gespräch gekommen, die mein eignes T-Shirt wieder erkannten und mir vergnügt berichteten, selbst stolzer Besitzer eines xtinct-T-Shirts zu sein.

Wen würdet ihr gerne in einem eurer Shirts sehen und warum?

Da es uns ja um Öffentlichkeit für das Thema Biodiversität geht, wären uns prominente Musiker, Schauspieler oder Politiker natürlich sehr recht. Wie wäre es mit Harald Schmidt, der ist von allem etwas …

Was wolltest Du schon immer mal gefragt werden und was ist die Antwort?

Frage: Welchen Mythos hältst Du für überholt?
Antwort: Den von den edlen Wilden. Die gibt es nicht, alle Menschen sind gleich, unterscheiden sich nur durch ihre jeweiligen Umstände. Als die ersten Ureinwohner Australien, Neuseeland oder Madagascar besiedelt haben, wurden dort auch zuerst alle größeren Tierarten ausgerottet. Es sollte also nicht die Lösung aller Probleme sein, wenn wir uns einfach an Naturvölkern orientieren und das zum Maß der Dinge erklären. Der Mensch muss an sich lernen, sein Handeln im Zusammenhang mit der Welt in der er lebt zu überdenken. Dafür gibt es keine einfache Lösung nach dem Motto “back to nature”.

Und jetzt noch meine Bonusfrage: Was ist ein Quagga?

Das Quagga ist eine Zebraunterart die Anfang des 20. Jahrhunderts im südlichen Afrika ausstarb.

Vielen Dank Jörg, und viel Erfolg für Euer Projekt. Falls Ihr Euch für XTINCT interessiert, nehmt mit Jörg Kontakt auf oder kommentiert hier, ich nehme an er liest mit 😉

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3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. “Manchmal ist wichtiger was eigentlich dahintersteckt.”
    Ja, da hast Du recht.

    “Das Jahr der bedrohgten Tierarten” o.ä. hätte es aber sicherlich dem Großteil der Bevölkerung leichter gemacht.
    Vielleicht mal ein kleiner Auszug aus Wikipedia:
    “Die Biodiversität ist eine Lebensgrundlage für das menschliche Wohlergehen, weshalb ihre Erhaltung von besonderem Interesse ist.”
    http://de.wikipedia.org/wiki/Biodiversit%C3%A4t
    Vielleicht macht es das anderen Nichtstudierten, wie mich, ein wenig klarer 😉

  2. Das ist doch völlig egal ob jemanden das Wort nervt oder nicht 😉 Manchmal ist wichtiger was eigentlich dahintersteckt. Und Biodiversität lässt sich auch nicht so leicht ins Deutsche übertragen. “Artenvielfalt” trifft es zum Beispiel nur unzureichend. Es steckt eigentlich die Gesamtheit der biologischen Vielfalt drin. Also auch genetische Vielfalt innerhalb einer Art oder die Vielfalt der Ökosysteme…

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