Vanessa Uher ist schon seit einiger Zeit als KUNSTVIBE bei Spreadshirt aktiv. In dieser Ausgabe von „Im Gespräch mit…“ erzählt sie uns von ihrem Weg und wie es ist, als Malerin und Designerin die Welt zu umrunden und dabei einfach Mensch zu sein.
Hallo Vanessa! Erzähle uns doch kurz ein paar Fakten über Dich. Woher kommst Du, wo hat es dich bisher hin verschlagen?
Ich komme vom schönen Starnberger See im Süden von Bayern. Dort bin ich geboren und aufgewachsen und dorthin kehre ich auch immer wieder zurück. Ich habe aber einen großen Teil meines Lebens an anderen Orten auf dieser Welt verbracht, da ich schon sehr früh eine große Reiselust verspürt habe und die Welt entdecken wollte. So habe ich unter Anderem viele Jahre in der Karibik und sechs Winter in Vietnam verbracht.
Zu meinen größten Leidenschaften gehören das Surfen und Kitesurfen. Deshalb zieht es mich immer wieder ans Meer zu sehr wilden und windreichen Plätzen. Zurzeit habe ich dafür einen alten VW-Bus, mit dem ich immer wieder den Traum der völligen Freiheit lebe. Dieses Jahr habe ich einen wunderbaren Roadtrip durch Europa gemacht, ohne Ziel, nur meiner Intuition folgend… Auf die Art bin ich in meinem rollenden Bett an den schönsten Plätzen aufgewacht, die ich mir vorstellen kann.
Wo auf diesem Weg hast Du das Malen und das Entwerfen von Illustrationen für Dich entdeckt?
Ich male und zeichne seit meiner frühen Kindheit und hatte auch schon zu Schulzeiten meine ersten Ausstellungen. Mit dem Design habe ich erst verhältnismäßig spät begonnen, da ich lange Zeit die Arbeit mit dem Computer abgelehnt habe.
Als ich mich dann endlich darauf einließ, habe ich aber sofort sehr großen Spaß daran gehabt, da es jeden Druck aus der Arbeit nimmt. Ein Bild auf Leinwand ist durch einen falschen Strich oft unwiderruflich zerstört. Am Computer hingegen kann ich völlig frei und spielerisch alles ausprobieren und immer wieder zurückgehen. Das macht mir große Freude.
Mit dieser neuen Fertigkeit habe ich ziemlich schnell mehrere Aufträge für das Entwerfen von Designs für Snowboards und Skier bekommen, was ich auch einige Jahre verfolgt habe. Dabei habe ich meinen eigenen Style aus der Mischung von Handgezeichnetem und klassischem Design entwickelt, mit Einflüssen von Street-Art.
Das Tolle an dieser Art zu arbeiten ist, dass ich im Gegensatz zu meiner klassischen Malerei kein Atelier, viele Farben und Pigmente brauche, sondern örtlich ungebunden bin und von überall arbeiten kann.
Woher nimmst Du die Kraft, neue Designs zu entwerfen und zu vollenden? Was treibt Dich bei Deiner Arbeit an?
Die meisten meiner Snowboard- und Ski-Designs sind beim Warten auf Wind am Strand in Vietnam entstanden. Viele meiner T-Shirt-Designs haben das Licht der Welt in meinem gemütlichen VW-Bus mit Blick aufs Meer oder die Weite der Berge erblickt.
Die Kraft und Inspiration nehme ich aus der Natur, mit der ich sehr verbunden bin. Ein Tag am Meer oder die Besteigung eines Gipfels in den Alpen gibt unglaublich viel Energie, erdet und verbindet mich mit der Wahrheit, um die es im Leben geht. Das lädt mich auf – und tausend Bilder im Kopf verschmelzen zu neuen Ideen.
Sind Deine Designs deshalb so vielseitig? Sie reichen von farbenfroh, kurvig und kindlich bis dunkel, kantig und nachdenklich.
Die Unterschiedlichkeit und Vielfalt entspricht meiner Persönlichkeit, denn ich habe sehr viele Facetten und schon viel erlebt, im Guten wie im Bösen. Ich denke, das spiegelt sich in meiner Arbeit wider. Wenn es heute bunt ist, muss es morgen schwarzweiß sein. Wenn es heute tief berührt, möchte ich morgen Menschen einfach nur zum Lachen bringen.
Auf der einen Seite hadere ich oft mit diesen scheinbaren Widersprüchen, da der Eindruck entstehen könnte, es gäbe keine Linie und keinen durchgängigen Stil. Aber zum Glück bekomme ich von außen immer wieder Rückmeldungen, die das widerlegen und ich freunde mich selbst stets mehr damit an.
Letztendlich entspricht das ja der Natur der Dinge: Kein Schatten ohne Sonnenschein und jeden Berg, den Du unter Qualen hochradelst, darfst Du auf der anderen Seite mit Freude und Leichtigkeit wieder herunterfahren.
Stichwort Natur: Die Tiere der Designs werden an vielen Stellen zum Menschen in Bezug gesetzt (z.B. Bart und Bär, Hipster und Pudel). Was bedeutet für Dich das Zusammenspiel von Mensch und Tier?
Grundsätzlich ist bei mir selten etwas geplant und verkopft. Ich lasse stattdessen die Inspiration einfach fließen und bin am Ende meist selbst über das Ergebnis erstaunt. So kommt es, dass ich darüber noch nie nachgedacht habe, obwohl Tiere mich von Anfang an begleiten, auch in der Malerei.
Ich habe durch meine eigenen Tiere und auch Arbeit mit Tieren am meisten über mich selbst und meine Schattenseiten gelernt und vielleicht kommt daher das Interesse an diesem Thema. Tiere sind zu 100% ehrlich sind und versuchen nicht aus Angst, sich zu verstellen und zu kontrollieren.
Und deshalb ist es auch besonders lustig, wenn das eigentlich ehrliche und natürliche Tier diese augenscheinlich coolen aber völlig bescheuerten, menschlichen Züge übernimmt.
Aber es soll ja auch berühren und zum Denken anregen. Und ich denke jeder kann etwas von den Tieren lernen. Wir Menschen haben auch nach wie vor starke Instinkte im tiefsten Innern, die aber fast immer völlig verschüttet sind. Für mich geht es darum, sie wieder spürbar zu machen – und genau da hilft die Natur und vor allem Tiere.
Analog zum Gegensatz Mensch und Tier geben sich Handgezeichnetes und Digitales in Deinem Repertoire die Klinke in die Hand. Sind darin auch verschiedene Vorgehensweisen im Designprozess zu erkennen? Wie digitalisierst Du analoge Handzeichnungen, wann beginnst Du direkt im Computer?
Teilweise resultiert das daraus, dass ich in der Vergangenheit sehr unzufrieden mit meinen digitalen Möglichkeiten war. Mein Grafiktablett fand ich immer sehr wenig intuitiv. Das hat den Flow total zerstört, weshalb ich dann oft wieder zur klassischen Zeichnung und Illustration auf Papier zurückkehre. In dem Fall scanne ich die Zeichnung dann mit meinem Flachbettscanner ein und bearbeite sie am Computer für den Druck. Ich arbeite auch viel mit Illustrator und Vektordateien, aber ich denke meine Stärken und Talente liegen im Handgezeichneten.
Gegensätze fand ich aber schon immer reizvoll, deshalb macht es mir Spaß beide Elemente zu kombinieren. Neuerdings habe ich ein iPad Pro und das war die beste Investition in meine Arbeit, weil damit – für meine Bedürfnisse – mit Abstand das beste Arbeiten möglich ist. Wenn ich es möchte, sieht es 100% analog und wie gezeichnet aus, ist aber, Digital sei Dank, von viel professionellerer Qualität für den Druck. Ich bin selbst gespannt, wohin mich diese Möglichkeit in der nächsten Zeit noch führen wird. Ich bin hochmotiviert!
Das freut mich zu hören. Noch ein anderer Aspekt Deiner Arbeit fällt ins Auge: Manche Deiner Motive basieren auf Sprüchen oder Zitaten. Können wir von einigen Weisheiten profitieren, wenn wir sie uns im Alltag bewusst machen?
Ja, können wir. Da ich schon sehr früh große Schicksalsschläge erlebt habe und weiß, dass das Leben von einem Tag auf den anderen plötzlich vorbei sein kann, versuche ich mich jeden Tag selbst daran zu erinnern, im „Hier und Jetzt“ zu leben. Es ist mir wichtig, den Moment zu genießen und dankbar für die Schönheit und den Luxus zu sein, die wir hier in unserer Welt haben. Das ist eigentlich ganz leicht – man muss sich nur dafür öffnen und die Liebe reinlassen die überall vorhanden ist.
Ebenfalls sehr wichtig: authentisch sein – sich nicht verstellen und nicht anpassen. Sich das Träumen trauen und dann seine Träume leben. Dann läuft’s. Ich bin der Regisseur von meinem Film!
Wie hast Du Spreadshirt entdeckt? Was gefällt Dir an unserer Plattform besonders?
Ehrlich gesagt bin ich durch Zufall auf Euch gestoßen. Ich wollte schon immer mein eigenes T-Shirt-Label und hatte durch meinen langen Aufenthalt in Asien eigentlich auch die besten und günstigsten Produktionsstätten dafür direkt zur Hand.
Irgendwann brauchte ich aber auf die Schnelle ein Geschenk für meine Bandkollegin und da hat mir mein Mitbewohner Spreadshirt empfohlen.
Dann habe ich einen Hoodie bedrucken lassen und war begeistert. Ich habe mir das Konzept genauer angesehen und festgestellt, dass einige Menschen damit ganz gutes Geld verdienen. Dann habe ich ein paar Designs hochgeladen und – völlig unerwartet – ziemlich schnell etwas auf dem Marktplatz verkauft. Eine sehr einfache Art und Weise, damit Geld zu verdienen.
Zu diesem Zeitpunkt war mir aber noch gar nicht klar, wie viele Vorteile dieses System für mich hat. Denn später habe ich zwei Angebote von anderen Druckereien bekommen, die mit mir etwas aufbauen wollten. Da wurde mir erst bewusst, dass mein alter Traum vom eigenen Label gar nicht mehr so attraktiv für mich war. Ich würde damit all meine Freiheit verlieren, weil ich mich um Produktion und Marketing kümmern muss. Dann kann ich nicht reisen, weil ich Produkte zu verpacken und zu verschicken habe, mich mit Kunden auseinandersetzen muss, die ganze Leier. Das möchte ich alles nicht. Ich möchte gerne einfach nur kreativ sein.
Dann überlasse ich Dich mal wieder ganz Deiner Arbeit und danke Dir vielmals für dieses Interview. Viel Erfolg und Inspiration auf Deinen weiteren Reisen!
Deine Design-Skills sind spitze, aber Dir fehlt das Publikum? Die Ideen hinter Deinen Designs sind einzigartig und Du willst sie mit unserer Community teilen? Dann erzähl uns Deine Geschichte und zeig uns, was hinter Deinen Motiven steckt und wie sie entstehen. In unserer Reihe “Im Gespräch mit…” stellen wir Dich und Deine Designs ins Rampenlicht.











