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Opfer der Schaltsekunde

Auch wir waren in der Nacht zum Sonntag Opfer der Schaltsekunde. Wer es noch nicht  hier oder da oder anderswo nicht gelesen hat, darf nun erfahren, dass das Hinzufügen einer Sekunde zum Zeitvorrat einer Rechenmaschine zu richtig bösen Überraschungen führen kann. Pünktlich um 23:59:60 UTC (01:59:60 MESZ) stieg die CPU-Auslastung eines Teils unserer Server gigantisch an, einzelne Applikationen starben einen schleichenden Tod, und schon wenig später sendete unser Monitoringsystem eine SMS nach der anderen an unser Bereitschafts-Handy. Dummerweise war ich an diesem Wochenende derjenige, der es neben seinem Bett liegen hatte. Solche Einsätze sind immer belastend, aber die letzte Nacht war einfach nur doof. Vielleicht hätte mich sogar eines dieser harten Gewitter des Wochenendes glücklicher gemacht.

Es dauerte ziemlich lange, bis ich realisierte, dass die Zeit gestolpert war, und irgendwann begann ich verzweifelt, alle betroffenen etwa 15 Server durchzustarten (glücklicherweise waren die etwa 25 anderen nicht ganz so betroffen). Dummerweise brauchten auch sehr viele Applikationen nach dem Serverneustart manuelle Therapie – so ein Server ist schließlich keine Daddelbox von zu Hause. Gegen sechs Uhr MESZ mußte ich Micha, den Chef von Platform Operations, wecken, um mir noch den einen oder anderen Wiederbelebungstipp abzuholen. Kurz vor neun Uhr MESZ lief alles wieder halbwegs, bis heute nachmittag um drei waren dann die wichtigsten anderen Dinge geheilt. 12 Stunden Sonderschicht für eine Sekunde – keine schlechte Ausbeute.

Nun weißt Du, warum Du Dein heißbegehrtes Shirt heute nacht nicht ordern konntest. Du kannst es jetzt nachholen.

Gn8

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