
Silke alias Franchie ist seit knapp zwei Jahren bei Spreadshirt als Designerin und Shopbetreiberin tätig. Bereits einige Zeit länger ist sie im Web unterwegs, als Bloggerin, Webdesignerin und Beraterin. Heute fühlen wir ihr mal (endlich) ein wenig auf den Zahn — Achtung, das Interview ist lang, aber ihr werdet sehen, es lohnt sich. Es stecken ein paar gute Ratschläge für (angehende) Spreadshirt Partner drin.
Du bist ja schon eine Weile im und mit dem Netz tätig – wie und womit verbringst Du die meiste Zeit?
Ich habe Mitte der 90er, als ich für meinen damaligen Arbeitgeber meine erste Website gestaltete, das Internet für mich entdeckt und schon damals das Netz als eine fantastische Gemeinschaft erlebt, die sich gegenseitig unterstützt und mit der man viel lernen kann. Seit ich vor zwei Jahren durch einen Protest-Blog-Eintrag zum Datenaustauschabkommen mit den USA das Bedürfnis hatte, ein T-Shirt zur Karikatur mitanzubieten, hat sich mein Fokus sehr schnell verlagert. Es blieb nicht bei dem einen T-Shirt-Motiv, und seither dümpeln meine Blogs so vor sich hin.
Wie bist Du dann auf die Idee gekommen, einen Spreadshirt Shop zu eröffnen?
Ich hielt “Protestshirts” für eine gute Idee, dann hatte ich den Spleen, beschreibbare Folie für “Blog2shirts” anzubieten. Es macht unheimlich viel Spaß zu machen, was einem gerade einfällt. Ich habe immer noch sehr viel Spaß dabei, wild durch die Pampa der verschiedenen Stilrichtungen zu wurschteln. Das funktioniert gut, wenn man seinen wilden Motiv-Potpourri hauptsächlich über den Spreadshirt-Marktplatz anbietet.
Ein eigener Shop benötigt ein Thema und eine Zielgruppe sowie eine beachtliche Menge Aufmerksamkeit, um erfolgreich zu sein.
Was findest Du bei Spreadshirt gut, was gefällt Dir an anderen Anbietern besser?
Ich habe auch andere DIY-T-Shirt-Anbieter angetestet. Aber ich bin nicht so ganz durch deren System durchgestiegen. Die Spreadshirt-Konkurrenz, soweit ich diese angetestet habe, dümpelt auf unbestimmte Zeit vor sich hin. Gute BWLer-Ratschläge raten mir, auch die anderen Anbieter irgendwann noch einmal genauer anzusehen und mich dort zu engagieren. Das ist also noch nicht ganz abgehakt.
An Spreadshirt mag ich, wie man an der Antwort der letzten Frage schon vermuten kann, den großen gemeinsamen Spreadshirt-Marktplatz. Es ist sehr übersichtlich bei Spreadshirt. Zwar ist dort die Konkurrenz sehr groß und die Provisionen pro Verkauf um einiges kleiner als im eigenen Shop, aber wenn man erst eine gewisse Schwelle überschritten hat, dann läuft es auf dem Marktplatz fast von allein.
Wie viel Zeit verbringst Du damit, T-Shirts zu gestalten, wie viel mit der Vermarktung Deines Shops?
Eine zeitlang habe ich, wenn es die Auftragslage im Webdesign zuließ, damit verbracht, Motive zu machen und auf Spreadshirt zu veröffentlichen. Jetzt gönne ich mir deutlich mehr Auszeiten und arbeite häufig nur die ersten drei Tage der Woche intensiv. Als ich kürzlich umzog, war ich zwei Monate lang so gut wie gar nicht am Computer und im Netz. Trotzdem verkauft Spreadshirt weiter meine Motive auf Produkten und ich kann sorglos und stinkfaul dabei zusehen, wie der Rubel rollt.
Der Zeitaufwand eines einzelnen Motivs hängt stark von der Technik ab. Ich habe sehr erfolgreiche Motive, für deren Erstellung ich keine fünf Minuten benötigte. Andere sehr unpopuläre (*snüff*), die mir persönlich besonders lieb sind, haben viel Mühe und Zeit gekostet.
Hast Du irgendwelche Vermarktungstipps, was man tun sollte, was am besten vermeiden?
Angesichts der großen Konkurrenz hat man zwei Möglichkeiten:
A) man konzentriert sich auf seinen Shop mit einer klar definierten Zielgruppe und einem kleinen & überschaubaren (wechselnden) Sortiment und investiert Zeit in die Vermarktung (Websites sollten mindesten alle 14 Tage mit einer Seitenaktualisierung das Interesse von Google wachhalten) oder
B) man geht auf den Spreadshirt-Marktplatz, dann benötigt man einen 3-stelligen Schwellenwert und eine handvoll erfolgreiche Motive, um bemerkt zu werden. Dabei hilft es auch, den Nutzer bei der Suche zu unterstützen, das heißt, möglichst genau das Motiv zu bezeichnen und beschreiben.
Wenn Du Deine Designs, die Du zu Anfang gestaltet hast, mit denen von heute vergleichst, wo liegt der größte Unterschied? Gibt es irgendwelche Unterschiede im Umgang mit der Technik, z.B. betreffend der Tools die du verwendest?
Ich empfehle, mit einem Premium-Account zu starten, denn zumindest derzeit laufen Plottmotive deutlich besser als Digi-Motive. Allerdings habe ich mittlerweile auch schon einige gut laufende Digi-Motive. Es funktioniert prinzipiell beides.
Meine Tools sind seit den 80ern mehr oder weniger die selben, viel habe ich daher nicht durch das Arbeiten an Shirt-Motiven dazugelernt. Die CorelDraw Suite und Photoshop kenne ich aus dem FF, wobei ich aber auch mit dem Illustrator und Inkscape zur Not klar komm. Für den eigenen Shop habe ich eine eigene Site http://www.franchie.de — für die habe ich einen Texteditor und Photoshop im Einsatz.
Muss man ein großes zeichnerisches Talent haben, um gute T-Shirt Designs zu machen?
Kunst und Kunstfertigkeit liegt im Auge des Betrachters und hat auch viel mit Trends zu tun. Man darf sich nicht beirren lassen. Den Besten wurde schon gesagt, sie seien untalentiert. Wichtig ist nur, ob man daran Spaß hat. Wenn man dann damit auch noch Geld verdient, kann es kaum etwas Schöneres geben.
Was ärgert Dich am meisten, wenn Du ein T-Shirt entwirfst?
Das Markenrecht in Deutschland, das tief in die Gestaltung der Motive eingreift und einem viele Wörter verbietet. Dürfte ich ein Gesetz erlassen, dann würde ich im Bereich Druck von Motiven auf Karten, Poster und eben auch T-Shirts (Bekleidung) die Alltagssprache in allen Sprachen also Deutsch und English vom Markenrecht ausnehmen. So dass man bunny, twilight oder Zicke wieder auf sein T-Shirt schreiben darf, ohne mit hohen Kosten für Abmahnungen rechnen zu müssen.
Wie beurteilst Du Aufwand und Ertrag?
Sehr viele Unternehmen haben eine fünfjährige Aufbauphase, bevor der Aufwand, den man reinsteckt, sich in einem echten Gewinn niederschlägt. Mein Stundenlohn – nüchtern betrachtet – ist momentan wirklich erbärmlich. Meine Lebensqualität aber könnte kaum besser sein. Ich kenne nicht viele, die ihre Zeit mit dem Verbringen, was ihnen besonders Spaß macht.
Bist Du mit unserer neuen Digital-Druckart Digital Direkt zufrieden?
Ja! Ich mag es, denn insbesondere in diesem Bereich ist das Arbeiten auf Papier von Bedeutung. Allerdings lerne ich noch den Umgang mit Digital Direkt und stehe mehr oder weniger am Anfang der Lernkurve. Meine kleine Serie der Apokalytischen Reiter, auf die ich stolz bin, ist in Digital Direkt sehr gelungen. Habe ich mir auch selbst gekauft und trage die Shirts sehr gerne. Die Farben leuchten und entsprechen den Vorlagen sehr gut.
Welche Themen packst Du auf Shirts und wie kommst Du auf Deine Ideen?
Ganz unterschiedlich. Mal ist es eine Bemerkung aus meinem Umfeld – sprich Freunde und den Medien, dann kruschtel ich gerne bei den alten Meistern (d.h. Künstler die länger als 70 Jahre tot sind und deren Werke gemeinfrei sind) oder ich treibe mich in Bildergalerien des Netzes herum und lasse mich von den Werken anderer inspirieren, natürlich spielen auch die Topseller bei Spreadshirt eine Rolle. I.d.R. versuche ich bei den Top-Seller-Motiven keine faden Me-Too zu machen, sondern eine persönliche Note einzubringen.
Was war Dein größter Erfolg – mit oder ohne Spreadshirt?
Sozial: Beim KEKS e.V. in Stuttgart mit dazu beizutragen, dass mehreren Kindern die ärztliche Versorgung, Hilfe und Unterstützung zuteil wurde, die deren Leben rettete. Meine Zeit bei KEKS war sehr prägend für mich, sei es als Zuhörerin für betroffene Eltern, als Redakteurin der Mitgliederzeitschrift oder in der Spendenakquise.
In Bezug auf T-Shirts: zu sehen, dass, was ich mache, vielen Menschen so gut gefällt, dass sie es kaufen.
Vielen Dank und weiterhin viel Erfolg!
Wenn ihr weitere Fragen habt, kommentiert hier oder besucht unser Forum – dort ist Franchie regelmäßig anzutreffen.



Interessanter Beitrag, danke
Danke für die guten Wünsche und das Kompliment. Hör ich immer gern.
DANKE für dieses informative Interview, worin ich mich auch ein wenig wieder erkannt habe. Bin selbst erst ein halbes Jahr dabei und finde die Blogs sehr hilfreich. Es gibt viel zu tun und natürlich fun, fun, fun … 😉
Ich wünsche Dir “Franchie” weiterhin eine kreative und erfolgreiche Zeit – Du machst tolle Motive!
Und weiter so mit dieser Rubrik! 🙂
Interessantes Interview! Finde eure Shoppartner-Rubrik super. Macht Einsteigern wie mir Mut dran zu bleiben 🙂
Viel Erfolg weiterhin, Franchie!
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