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My Shirt, My Voice: Ein schwerer Fall von Korrekturwahn

Im Jahr 2006 musste meine damalige Mitbewohnerin aus Litauen ihre erste Studienarbeit in deutscher Sprache verfassen. Da sie offensichtlich Unterstützung gebrauchen konnte, half ich ihr bei der Korrektur. Das war mein Einstieg – seitdem leide ich an einer ausgeprägten Detailfixierung in Bezug auf Texte. Rückblickend kann ich von den folgenden Entwicklungsstadien berichten:

Nicht ohne meinen Duden. Als Frischling unter den selbst ernannten Textverbesserern litt ich unter rasender Nachschlagewut. So viele Fragen zu Rechtschreibung, Grammatik, Zeichensetzung, Ausdruck, Etymologie – dabei war (und ist) auf die Duden-Reihe immer Verlass.

Fehler – Fehler – Fehler. Kurz darauf verfiel ich in einen permanenten Fehlersuchmodus. Kein Roman, keine Broschüre konnte bestehen. Fatalerweise ging diese Phase mit einem gesteigerten Mitteilungsbedürfnis einher, was für mein Umfeld ungemein anstrengend war. Und leider ist das Rückfallrisiko recht hoch.

Auf dem Typo-Trip. Vor etwa vier Jahren lernte ich die Welt der Detailtypografie kennen: Geviert- und Halbgeviertstriche, unterschiedliche Weißräume, kulturspezifische Anführungszeichen usw. Merke: Der Apostroph hat die Form einer Neun! In dieses Stadium fällt auch der Beginn meiner Abneigung gegenüber doppelten Leerzeichen.

Die Ästhetik des Unvollkommenen. Im Laufe der Zeit bin ich zu der Erkenntnis gelangt, dass sprachliche Fauxpas und formale Makel mitunter auch viel Schönes haben. Einer meiner Lieblingsblogs handelt beispielsweise vom Gebrauch überflüssiger Anführungszeichen. Sehr „empfehlenswert“!

Ist das alles – du liebe Güte – denn wirklich immer so wichtig? Aber hallo, denke ich, perfekte Texte kann es zwar nicht geben, doch hängt ihre Wirkung entscheidend von der äußeren Umsetzung ab. Ich jedenfalls bin ein großer Fan von Rechtschreibung, einheitlichen Schreibweisen sowie der Beachtung typografischer Details.

Stephanie

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1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Als ich die Schilderung der einzelnen Phasen gelesen habe, dachte ich: Das kennste doch irgendwoher … !? Schön beschrieben.

    Was das gerade wieder aktuelle (siehe “SPIEGEL”-Titel in dieser Woche) Thema Rechtschreibung angeht: In mehr oder minder offiziellen Veröffentlichungen, die den Geschäftsverkehr betreffen – angefangen beim Flyer bis hin zum Ladenschild – finde ich Rechtschreibfehler mindestens peinlich.

    Sie werfen stets ein schlechtes Licht auf den Absender; und im schlimmsten Falle lassen sie bei mir starke Zweifel an der Seriosität des Gegenübers aufkommen – das wahrscheinlich beste Beispiel dafür sind die berühmt-berüchtigten Phishing-Mails mit ihrem wahrlich verräterischen Radebrech.

    Richtig Fremdschämen ist bei mir allerdings angesagt, wenn mir Rechtschreibfehler auf Klamotten begegnen – T-Shirt-Aufdrucke, die offensichtlich niemand Korrektur gelesen hat, finde ich wirklich zum Weglaufen; und leider gibt’s von denen eine ganze Menge.

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