
Coffee Circle bietet laut eigener Aussage den weltbesten Kaffee an, erntefrisch und selbst vor Ort in Äthiopien ausgesucht. Dadurch unterstützen sie direkt ausgesuchte Kaffeebauern und Projekte in der Community. Das Team von Coffee Circle hat uns im Rahmen ihrer Sommertour 2011 letzte Woche in Leipzig besucht. Hier hatten wir Gelegenheit, den frisch zubereiteten Kaffee zu testen und unser Fazit war: Weltklasse! Mit Martin, einem der Gründer von Coffee Circle, haben wir ein kleines Interview geführt, um mehr über das Coffee Circle Konzept zu erfahren.
Wie lange gibt es Coffee Circle schon und wie ist die Idee entstanden?
Wir haben Coffee Circle im Juli 2010 gegründet, wobei wir bereits Februar angefangen haben an der Idee und dem detaillierten Konzept von CC zu arbeiten. Nach 10-monatiger Vorbereitung sind wir dann im Dezember online gegangen und haben die ersten Kaffees verkauft. Die Idee entstand bei einem gemeinsamen Aufenthalt von Moritz und mir in Äthiopien. Wir haben gesehen wie ausgezeichnet der äthiopische Kaffee ist, haben auf der anderen Seite aber auch gesehen wie schlecht es den Kaffeebauern vor Ort dennoch geht. Das wollten wir ändern, dafür sind wir mit CC angetreten.
Welche Entwicklungsprojekte unterstützt ihr mit eurem Unternehmen? Was verbindet euch mit Äthiopien?
Wir unterstützen Entwicklungsprojekte bei den Kaffeefarmern, die unsere Kaffees anpflanzen. D.h. es sind eigens mit den Kaffeebauern zusammen definierte Projekte, die wir selbst vor Ort umsetzen. Wir haben bzgl. der Projekte klare Grundsätze. So möchten wir bspw. niemals Abhängigkeit von uns und unseren Investitionen schaffen, d.h. wir investieren in einen Brunnen, der 15 Jahre funktioniert, würden jedoch niemals vor Ort eine Krankenschwester anstellen. Denn, im Falle unsere Gelder bleiben aus, steht der Brunnen immer noch, die Krankenschwester wäre jedoch einfach wieder weg. Des Weiteren möchten wir den Impact der Projekte klar quantifizieren können. So haben wir im Februar einen Brunnen direkt neben der Schule von Ilketunjo gebaut, der 2.000 Menschen direkten Zugang zu frischem Trinkwasser ermöglicht.
Wie profitieren die Kaffeebauern in Äthiopien?
Auf der einen Seite zahlen wir Ihnen hohe Abnahmepreise, die sie für ihren Aufwand gerecht entlohnen. Wir zahlen mehr als das doppelte für das Pfund Rohkaffee als der Preis zu dem Arabica Kaffee am Weltmarkt gehandelt wird. Zum anderen geben wir 1 EUR pro kg in Form von unseren Entwicklungsprojekten zurück an die Kaffeebauern. Das ist im Vergleich zu vorhandenen Systemen des fairen Handels das 3-4 fache. Dennoch, wir kaufen nur Kaffee allerhöchster Qualität. D.h. wir motivieren die Kaffeefarmer wie kein anderes System dazu, jedes Jahr auf allerhöchste Qualität zu achten. So produzieren Kaffeekooperativen langfristig hohe Qualität und erhalten dafür immer einen sehr guten Preis.
Wie reagieren die Menschen vor Ort auf euer Angebot?
Sehr interessiert und ausgeschlossen offen. Wir hatten noch nie Verständnisprobleme, weder mit den Kaffeebauern noch mit kirchlichen oder politischen Organen. Dennoch, so richtig geglaubt haben sie uns eigentlich erst als wir Anfang des Jahres wieder zurückkehrten und die ersten Projekte auch wirklich umgesetzt haben.
Was unterscheidet euren Kaffee von Fair Trade Produkten?
Ich kann nur für Fair Trade im Kaffeebereich sprechen. Und hier kann ich nur sagen, dass unser System bewusst anders motiviert und somit deutlich bessere Qualität in die Tasse bringt. Grund: Wir machen die Qualität des Kaffees zum höchsten Auswahlkriterium. Fair Trade vergibt ein Premium auf den Abnahmepreis, unabhängig von der Qualität. Zudem geben wir wie gesagt das 3-4 fache zurück in das Ursprungsland. Bei uns fliessen 100% zurück und wir machen es transparent. Es gibt viele weitere kleinere und ernstere Argumente gegen das Fair Trade Siegel, die ich hier nicht alle erwähnen möchte, und ich möchte das Zertifikat auch nicht per se schlecht reden, denn das wäre falsch. Sagen wir es so. Wir sehen in dem System momentan Schwächen, die uns dazu bewogen haben, lieber direkt zu handeln und zu effizienter zu helfen.
Ihr bereist mehrmals im Jahr Äthiopien, um den besten Kaffee zu finden. Woher habt ihr so viel Ahnung von gutem Kaffee?
Gute Frage, denn wir kommen alle nicht aus dem Kaffeegeschäft. Wir haben uns natürlich in den letzten Jahren sehr viel Wissen zu Kaffee angeeignet, wir beschäftigen uns ja jeden Tag damit. Aber ohne die tatkräftige und geduldige Unterstützung von Freunden aus dem Kaffeegeschäft in Deutschland wie auch in Äthiopien wären wir jetzt nicht soweit. Zudem holen wir uns bei kritischen Fragen, z.B. der finalen Auswahl der Kaffees, immer noch professionelle Hilfe ins Boot, bis wir selbst 100% sicher sind, es alleine machen zu können.
Wie seid ihr eigentlich auf Kaffee gekommen, um eure Projekte zu unterstützen? Gab es auch Alternativen?
Man muss verstehen, dass Äthiopien das Ursprungsland des Kaffees ist. Die Region “Kaffa” liegt im Südwesten Äthiopiens, unweit der Gegend wo unser Limu-Kaffee herkommt. Deshalb ist Kaffee im täglichen Leben in Äthiopien sehr präsent. Mehrmals pro Tag gibt es Kaffeezeremonien, wozu die Familie und Freunde zusammen kommen. Als wir nun in Äthiopien waren und gesehen haben, wie schlecht es den Menschen auf dem Land geht, und auf der anderen Seite Kaffee omnipräsent und auch zugleich der wichtigste Wirtschaftszweig ist, lag der Gedanke nahe den “Circle” mit Kaffee zu beginnen. Außerdem brauchten wir ein Produkt, welches wir in Deutschland verkaufen können. Und ehrlich: Das Kaffeegeschäft haben wir auch recht leicht verstanden, die Komplexität der Wertschöpfung ist überschaubar. Etwas anderes wäre es dann z.B. Leder gewesen, von dem es ebenfalls sehr viel in Äthiopien gibt.
Euer “Markenzeichen” ist ein simpler brauner Schnurrbart, liebevoll “Schnubbi” genannt. was hat ein Schnurrbart mit gutem Kaffee zu tun?
Der Schnubbi steht bei uns für Genuss, Ruhe, Souveränität und Überzeugung für etwas Besonderes zu stehen. Wir möchten damit in gewisser Weise auf die Wertigkeit von Kaffee hinweisen, die in den letzten Jahren leider immer weiter gesunken ist. Anstatt im Supermarkt immer nur auf den niedrigsten Kaffeepreis zu achten, sollte man sich unserer Ansicht nach wieder mehr auf das Konzentrieren, was Kaffee in der Vergangenheit war: Ein Genussmittel, welches bewusst genossen werden sollte, ähnlich einem Glas Wein. D.h. Qualität statt Preis sollte bei Kaffee der entscheidende Faktor sein. Der Schnurrbart drückt das für uns aus. Aber bei allen schön formulierten Gründen: Er macht natürlich auch einfach Spass!!
Ihr betreibt auch einen Spreadshirt Shop für eure Teamkleidung. Habt ihr euch auch schon mal überlegt, mit T-Shirt Verkäufen Projekte zu finanzieren?
Ja, wir bieten Shirts an. Jedoch stehen wir noch am Anfang mit den Designs. Wir möchten auch an dieser Stelle natürlich coole Shirts anbieten und keine blödsinnigen bzw. nicht lustigen Aufdrucke. Damit direkt ein eigenes Projekt zu finanzieren ist eine coole Idee. Das sollten wir auf jeden Fall im Kopf behalten, sobald wir mehrere coole Shirts haben!
Was wäre dein Lieblingsspruch für das ultimative Kaffee-Shirt?
Also ich finde eines unserer Designs da ganz witzig, wo steht: “Mein Kaffee rettet Deine Zukunft“. Jedoch ist das nur halbwitzig, wenn ich das hier erzähle. Dazu muss man die Zeichnung sehen. Unser lieber Designer Christian hat das ganze auf Basis eines zurück in die Zukunft Filmplakates gemacht – Du lachst Dich weg, so mit Schnubbi und Schnubbitasse, und der Typ ist ne beknackte Kaffeebohne usw…. Etwas Ähnliches hat er dann auch mit “Jäger des verlorenen Kaffees” gemacht, man stelle sich das so vor: Genannte beknackte Bohne läuft mit funkelnder Schnubbi Tasse vor großer runder Steinkugel davon… Du schmeisst Dich weg.
Danke an Martin für dieses Interview.
Hier geht`s direkt zu Coffee Circle.
Hier findet ihr die lustigen Coffee Circle T-Shirts.
Zum Einreichen einer eigenen Geschichte bitte hier entlang.
