
Unsere Freunde von laFraise stecken mitten in einem spannenden Relaunch-Prozess und haben einige sehr aufregende Monate hinter sich: Im Dezember wurde nach langem Tüfteln und Konzipieren die neue Webseite mit neuem Konzept online gestellt und eben erst kam der neue Shop hinzu.
Grund genug, um Michael und Thomas von laFraise für ein ausführlichen Gespräch über das neue laFraise zu treffen. Los geht’s!
Hallo Michael und Thomas, vielleicht stellt Ihr Eure Rolle bei laFraise erst einmal kurz vor?
MICHAEL:
Ich bin sozusagen der Chef von laFraise. Ich bin vor zwei Jahren dazu gestoßen, um mir Gedanken über den Relaunch von laFraise zu machen und wie die vorgegebenen Ziele erreicht werden können.THOMAS:
Ich bin seit 2012 bei laFraise und habe den interessanten Job des Quality Assurance Managers. Ich kümmere mich um die qualitativen Ansprüche im Contest, um unsere Endprodukte im Shop und vor allem die Kommunikation mit den Designern.
Für den Relaunch wurden sowohl die Technologie als auch das Konzept hinter laFraise komplett überarbeitet. Welche konkreten Veränderungen kamen dabei raus?
MICHAEL:
Das Ziel der technischen Neuerung war es, in Zukunft schneller und besser handeln zu können. Alles was an neuen Features kommen wird, können wir jetzt deutlich leichter einbauen. Das Konzept haben wir einmal komplett umgedreht. Seit laFraise von Spreadshirt übernommen wurde, lag der Fokus nicht mehr auf dem Design-Contest und der Community. laFraise funktionierte als T-Shirt-Shop, bei dem der Contest genutzt wurde, um Motive für den Shop zu erhalten. Beim neuen laFraise geht es jetzt nicht mehr vordergründig ums T-Shirt, sondern primär um die Designs und die Schöpfer dieser Designs.THOMAS:
Wenn du jetzt auf unserer Website landest, lautet die Begrüßungsbotschaft: „Wir sind das soziale Netzwerk für Grafik-Designer und Künstler”, so verstehen wir das gesamte Konzept.
Wir sind kein T-Shirt-Shop mehr mit Contest, sondern wir sind ein soziales Netzwerk, das den Austausch und die Kreativität der Nutzer fördern möchte. Daneben soll es aber auch möglich sein, die coolen Designs nach Hause geliefert zu bekommen. Das ist am Ende natürlich auch wichtig für die Refinanzierung des Projekts.
Was hat sich an dem System des Contests geändert?
THOMAS:
Vor dem Relaunch wurden die Designs hochgeladen, wir haben die qualitativ hochwertigen gefiltert und in den Contest durchgelassen. Danach konnte für sieben Tage abgestimmt werden. Am Ende der sieben Tage haben wir uns im Team die Bewertung der Community angesehen und anhand der Punktzahl und der technischen Druckbarkeit zwei Gewinner gewählt.
Mit dem neuen System filtern wir nicht mehr von Anfang an. Jeder kann sein Design hochladen und der Welt präsentieren. Aus allen Einsendungen wählen wir jede Woche 10 Designs aus, die für den Contest nominiert werden. Von da an bleibt die Entscheidung allein der Community überlassen und das beliebteste Design gewinnt.
Das heißt, man kann sich als Designer nicht auf einen Contest bewerben?
THOMAS:
Du bewirbst dich mit deinem initialen Upload auf die Teilnahme am Contest.MICHAEL:
Auch wenn es der Vergleich vielleicht ein bisschen überspitzt, aber das ist wie bei einer Oscar-Nominierung: Die Nominierung selbst ist schon eine Auszeichnung für sich und wenn man dann den Gewinn einfährt, ist das die höchste Anerkennung. Natürlich verbunden mit der Geldprämie von 1000€, wie es bisher ja auch war.THOMAS:
Damit es nicht langweilig wird, werden wir auch weiterhin themenbasierte Contests oder Partnercontests anbieten, um mit externen Partnern zusammenzuarbeiten. Die sind wiederum offen, das heißt, man kann direkt sein Motiv dafür einreichen.
Wie ist denn bisher das Feedback der Community, was den Relaunch angeht?
THOMAS:
Es gibt jede Menge Feedback.
Die „Alten Hasen“, welche seit 6-7 Jahren dabei sind und das bisherige Konzept auswendig kannten, tun sich schwer damit. Sie müssen erst einmal lernen, sich von der alten Idee zu lösen; das ist auch für uns schwierig gewesen.
Wir müssen der Community erklären, dass es nicht nur darum geht, eine neue und schickere Webseite zu bauen, sondern um die Entwicklung eines neuen Systems, mit neuen Spielregeln, neuen Ideen und neuen Herangehensweisen.
Und wurde die laFraise-Community bei der Entwicklung mit einbezogen?
MICHAEL:
Bei der Neu-Konzeptionierung von laFraise haben wir mit zwei Berliner Grafik-Hochschulen zusammengearbeitet. In gemeinsamen Workshops wurde versucht herauszufinden, was die Bedürfnisse von Designern sind und worum es ihnen geht, wenn sie ihre Arbeit veröffentlichen möchten.
Das Grundkonzept wurde im Anschluss aus dem Feedback der Studenten entwickelt. Es beruht also auf sehr intensiven Recherchen mit den Leuten, die wir erreichen möchten.
Im Anschluss haben wir etwa 20 bis 30 laFraise-Designer eingeladen, die Neuerungen anhand eines Klick-Prototypen zu testen.
Wie lange habt ihr denn an dem Relaunch gearbeitet?
MICHAEL:
Von dem Punkt, an dem die Entscheidung für das Konzept stand, bis zum Release im Dezember verging etwa ein Jahr.
Aber als ich vor zwei Jahren anfing, stand im Vordergrund, laFraise überhaupt wieder auf feste Füße zu stellen. Als wir das Chaos im Griff hatten, haben wir nach einer Richtung für die Weiterentwicklung geschaut.
Derart strategische Entscheidungen fällt man natürlich nicht innerhalb von zwei oder drei Wochen. Da gehört sehr viel Recherche, Aufarbeitung von Informationen und auch der Blick auf den Markt dazu. Zu diesem Thema habe ich eine kleine Geschichte:
Als ich bei laFraise anfing, bin ich auf einen Blogartikel gestoßen, der war etwa zwei Jahre alt. Darin waren 46 Grafik-Design-Contests für T-Shirts aufgelistet, weltweit. Dieser Blogpost hat auf einen aktuelleren Blogpost gelinkt, und da waren es noch 23 Contests, und selbst einige von diesen waren inzwischen schon wieder abgeschaltet. Das beweist, dass man mit dem Zeitverzug, den ein Contest mit limitierten T-Shirts mit sich bringt, nicht mehr in die heutige Zeit passt. Dieser Verzug beträgt sechs bis acht Wochen zwischen dem Punkt, an dem der Kunde das Design zum ersten Mal gesehen hat, über das Voting, die Produktion, etc. bis es auf einem T-Shirt bei ihm zu Hause ankommt.
Wir fingen an zu überlegen: „Wie verkürzen wir dieses Zeitspanne?“ Systembedingt kommst Du aber einfach nicht unter drei bis vier Wochen. Damit war klar, dass wir an dem System selbst schrauben müssen und so kamen wir zu dem Entschluss, laFraise komplett neu aufzubauen.
Und was ist die größte Baustelle, die jetzt ansteht? Was sagt die To-Do-Liste?
MICHAEL:
Die hat zwei Ebenen:
Zum einen den Feinschliff am Gesamtkonzept, zum anderen die Optimierung der Features, die bereits da sind.
Wir versuchen die Sachen, die wir seit dem Relaunch gelernt haben, in die Umsetzung einer stabilen Plattform einfließen zu lassen, bevor wir uns neuen Sachen widmen.
Welche Rolle hat Spreadshirt bei dem ganzen Prozess gespielt?
MICHAEL:
Eigentlich gar keine mehr, wir möchten uns unabhängig von Spreadshirt aufstellen.
So lang wir so eng an Spreadshirt sitzen, technologisch und von den Produkten her, werden wir nie das Tempo und die Freiheit haben können uns so zu entwickeln, wie wir das wollen. Außerdem möchten wir uns der Gefahr entziehen, als das „kleine Spreadshirt“ oder der „Contest von Spreadshirt“ wahrgenommen zu werden.THOMAS:
Bildlich gesprochen fahren wir auf Klassenfahrt und müssen Mutti nicht mehr fragen, aber sie steht noch in Sichtweite und winkt.
Wird laFraise denn die Produktionsmöglichkeiten von Spreadshirt nutzen?
MICHAEL:
Es gibt die Ansage: Alles was Spreadshirt leisten kann, das nutzen wir. Das hat große Vorteile, die Prozesse laufen rund.
Ansonsten wird die Zusammenarbeit mit Spreadshirt in Zukunft auf dem Level eines Premium-Partnershops laufen. Ohne irgendwelche Ausnahmeregelungen, dadurch wird es einfacher.
Was erwartet uns in Zukunft bei laFraise?
MICHAEL:
Wir wollen weiter Partnercontests und Themencontest machen, außerdem soll die Produktpalette erweitert werden. laFraise-Designs sind dafür gemacht, sie auf Lifestyle-Produkte zu bringen, nicht nur auf T-Shirts. Wir haben bereits die Handycover neu eingeführt, aber es gibt so unheimlich viele coole Produkte: Snowboards, Kopfhörer, Helme, Schuhe, etc.
Vorrang haben aber der Ausbau des Netzwerks und der Interaktionsmöglichkeiten. Wenn wir laFraise globaler und größer machen wollen, müssen wir gleichzeitig aufpassen, dass wir den persönlichen Kontakt zu den Designern nicht verlieren.THOMAS:
Das erreichen wir z.B. dadurch, dass es auf der derzeitigen Plattform kein Backend gibt. Das bedeutet, dass wir all die Dinge, die wir für die Verwaltung der Plattform tun, direkt auf der Plattform tun. Jedes Teammitglied hat einen ganz normalen laFraise-Account mit erweiterten Rechten. So bewegt man sich auf einer Augenhöhe mit anderen Nutzern und entdeckt viel schneller Schwachstellen der Plattform.
Abschließend noch ein HAPPY BIRTHDAY, laFraise wird ja dieses Jahr ganze 10 Jahre alt. Wird es denn eine Geburtstagsfete geben?
MICHAEL:
Dadurch, dass so unglaublich viel zu tun ist, haben wir alle keine Zeit zum Feiern. Bei uns fließt jeder Gedanke momentan in die Weiterentwicklung des neuen Produkts und in die Zusammenarbeit mit der Community. Wir möchten selbst immer besser werden.THOMAS:
Das unterscheidet wahrscheinlich das Startup laFraise vom jetzigen laFraise: Der nach außen getragene Party-Teil hat sich gedreht zu „Unsere Arbeit ist unsere Party.“
Vielen Dank für das ausführliche Gespräch, ihr beiden.
Habt Ihr noch Fragen an Thomas und Michael? Dann immer her damit in den Kommentaren!




