Spreadshirts Entwickler plaudern aus dem Nähkästchen

Die IT ist das Herzstück einer E-Commerce Plattform wie Spreadshirt. Ein Team von kreativen und motivierten Entwicklern ist da unerlässlich, um ein hohes Niveau und ein positives Kundenerlebnis sicherzustellen. Zwei die täglich daran arbeiten, die Spreadshirt-Plattform um neue Features zu erweitern, sind Tony Findeisen und Marcus Krejpowicz (von links nach rechts). Sie stehen Rede und Antwort über ihren Arbeitsalltag, agile Softwareentwicklung und ihr eigenes Framework rAppid:js.

Vielleicht könnt ihr zwei euch zu Beginn vorstellen. Wer seid ihr, wo kommt ihr her?

Marcus: Ich komme ursprünglich aus Thüringen und habe in Dresden Medieninformatik studiert. Bei Spreadshirt bin ich seit November 2011. Ich habe eigentlich schon immer Interesse an Webanwendungen gehabt und daran, Webseiten zu bauen, weil es das ist, was die Leute benutzen.

Tony: Und ich bin jetzt seit knapp zwei Jahren bei Spreadshirt. Ich habe mich damals auf die Stelle als Actionscript 3 & Flex Entwickler beworben. Vorher habe ich an der Berufsakademie Leipzig studiert und hatte einen recht kleinen Praxispartner in der Nähe von Berlin.

Könnt ihr mir ganz grob umschreiben, was eure Aufgabe bei Spreadshirt ist? Lässt sich das zusammenfassen oder ist es von den jeweiligen Projekten abhängig?

Tony: Wir machen coole Dinge! Derzeit entwickeln wir den T-Shirt Designer für Tablets und Smartphones auf Basis von HTML 5. Danach werden sicherlich weitere interessante Projekte im Bereich Frontend folgen, mit denen wir die Erfahrungen unserer Kunden mit Spreadshirt weiter verbessern möchten.

Was für ein Gefühl ist es, wochenlang etwas zu bauen, zwischendurch vor dem ein oder anderen großen Problem zu stehen und dann ist eure Arbeit live? Seid ihr stolz, weil Millionen Menschen eure Arbeit sehen oder ärgert ihr euch eher über die Kleinigkeit, die nicht so wurden wie geplant?

Marcus: Stolz auf jeden Fall. Man gewöhnt sich auch daran, dass man Sachen released, die noch Fehler haben oder nicht optimal sind. Das bringt man dann am nächsten Tag in Ordnung.

Tony: Das ist Teil der agilen Softwareentwicklung.

Die bei Spreadshirt verfolgt wird?

Tony: Genau. Der Trend geht in die Richtung, oft zu releasen, eigentlich mehrfach am Tag. Die Entwickler sind verantwortlich für ihre Komponenten und werden so Teil der Betreiber der Plattform. Das nennt sich DevOps. Bei Spreadshirt steht da noch das „Q“ (DevQOps) für Quality Assurance dazwischen, weil die Qualitätssicherung ein bedeutender Teil der Softwareentwicklung ist.

Marcus: Wir machen User-Tests und sobald die Software live ist, folgen A/B-Tests, um herauszufinden, was besser funktioniert und was man noch verändern kann. Die Videos der Tests schauen wir uns zusammen im Team an. Zum einen ist es cool Kommentare zu hören wie „Oh, that‘s smooth“, auf der anderen Seite hilft es ungemein Schwachstellen zu entdecken und die Software so stetig weiterzuentwickeln. Dafür wollen wir nicht jedes Mal von Neuem anfangen sondern einen fließenden Prozess haben. Genauso agil muss auch die Arbeit im Team sein.

Tony: Wenn wir von agil reden, dann meinen wir gemeinsam vor einem Whiteboard zu stehen, und mit den Leuten zu diskutieren. Da gibt es natürlich Einwände und Streitpunkte, aber man kommt wesentlich schneller zu einer Lösung, als wenn jeder für sich arbeitet. Für die Qualität des Produkts ist es unwahrscheinlich wichtig, mal schnell ein Problem besprechen zu können.

Marcus: Und dazu braucht man noch die richtigen Werkzeuge sowie ein gutes Framework, um überhaupt fokussiert und schnell entwickeln zu können und sich nicht ständig mit den immer gleichen Dingen zu beschäftigen.

Und das habt ihr euch selbst geschrieben, wenn ich das richtig verstanden habe.

Tony: Marcus und ich entwickeln seit Februar 2012 unser eigenes Javascript MVC Framework <rAppid:js />. Der Gedanke dahinter ist, Bausteine zu erstellen, die wiederverwendet werden können. Alle anderen Technologien, die wir vorher ausprobiert haben, kommen schnell an ihre Grenzen und werden unleserlich sobald die Anwendungen größer werden. Also haben wir Bausteine erstellt, die sich flexibel zu komplexeren Bausteinen zusammenfügen lassen, um so das Repertoire zu vergrößern.

In welcher Verbindung steht euer Framework zu Spreadshirt?

Marcus: Das Framework ist die Basis für die von uns entwickelte Tablet-Version des T-Shirt Designers. Es bietet alle Bausteine die benötigt werden, um den Spreadshirt Designer, der sehr komplex ist, zu bauen. Durch das Framework wird viel von dieser Komplexität genommen, so dass sich  Anwendungen, wie beispielsweise ein Spreadshirt Shop oder der T-Shirt Designer relativ einfach, vor allem aber schnell bauen lassen.

Empfindet ihr es als Standard, dass IT-Mitarbeiter privat ihr eigenes Werkzeug bauen können und der Arbeitgeber übernimmt es für das Unternehmen?

Tony: Ich glaube nicht. Auch bei Spreadshirt gab es anfangs Bedenken. Erfahrungen aus der Vergangenheit zeigten, dass Eigenentwicklungen schnell an ihre Grenzen stoßen können. Aber als deutlich wurde, wie schnell wir mit dem Framework arbeiten können, hat das auch die Kritiker überzeugt. Jetzt hatten wir innerhalb von vier Wochen vier Releases mit immer neuen Features. Wir sind also an einem Punkt angelangt, an dem Spreadshirt einen Nutzen daraus zieht.

Welchen Stellenwert haben für euch diese freie Entfaltung und eure persönliche Entwicklung in eurem Job?

Tony: Gerade in der Informatik, wo ständig neue Technologien und Tools entwickelt werden, ist es sehr wichtig für Entwickler, sich ständig auf dem Laufenden zu halten und sich weiterzuentwickeln. Sonst bleibst du irgendwann hinter den Anforderungen stehen. Oder du machst eben die immer gleichen Sachen. So werde ich aber nicht glücklich, darum möchte ich mich in meinem Beruf frei entfalten und verschiedene Dinge ausprobieren können.

Marcus: Nach dem Studium weiß man meist gar nicht, wie man in der Praxis zurechtkommt. Umso mehr Erfahrungen ich jetzt sammele, umso mehr stelle ich fest, wo meine Stärken liegen und was mir weniger liegt. Natürlich möchte ich mich dann auch in verschiedenen Bereichen mehr ausleben.

Na dann bin ich gespannt, wo wir euer Framework bald noch überall finden werden. Bis dahin bleibt mir, euch weiterhin viel Erfolg und viele Mitstreiter zu wünschen. Vielen Dank für das sehr spannende Gespräch und den Einblick in eure Arbeit!

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