Jugendsprache, was da soos?!

Jugendsprache, was da soos?!

Über Jugendsprache wird viel geschimpft: armseliger Wortschatz, grammatikalisch fragwürdig, kaum zu verstehen… Wirklich? Hör doch erst mal hin!

Kreativ und treffsicher bringen 11- bis 19-Jährige die Welt auf den Punkt – und andere zum Lachen. Sie wollen sich damit von den Erwachsenen abheben und ihre Persönlichkeit ausdrücken, aber nicht nur. Sondern auch „weil Baum“ (einfach so) und weil sie’s können!

Die geheime Zutat ist… Humor!

Humor ist das oberste Gebot von Jugendsprache. Nur wenn ein Begriff ironisch verwendbar ist, hat er das Zeug, über Schulhofgrenzen hinaus zum coolen Spruch zu werden. Vorteilhaft ist außerdem, wenn er sich – Wallah Alter! – als universelles Füllwort eignet oder spielerisch abwandeln lässt. So wird aus „Ehrenmann“, dem Jugendwort des Jahres 2018, schnell eine Ehrenfrau, ein Edelmann oder einfach Ähre.

Sag Hallo und ich sag Dir wer Du bist

‚Mein Brudi, Aaaaalles klar?‘ oder ‚Was geht ab du Knecht?‘. Pass bloß auf, was Du sagst! Man könnte Dich für einen Gangsta-Rapper, Gamer oder, wenn es blöd läuft, einen Lauch (einen schmalen Jungen oder jemanden mit wenig Selbstbewusstsein) halten. Welche Begriffe ein Jugendlicher verwendet, verrät nämlich viel über seine Vorlieben und Interessen. Sechs Einflüsse stechen besonders heraus:

Denglish

Denglish – eine Mischung aus Deutsch und Englisch – hat inzwischen alle Gesellschafts- und Altersschichten erfasst. Wenn sogar Oliver Welke in der heute-show etwas „nice“ findet, muss die junge Generation schnell nachlegen. Schließlich möchte man den Öffentlich-Rechtlichen weit voraus sein. Zum Glück ist das Englische praktisch unerschöpflich und kann zudem onomatopoetisch angereichert werden. So ist ein „Bruhhh….cringe“ (Oha, peinlich) schnell gespreaded  (verbreitet) und längst verschwunden, wenn Herr Welke es in einen Gag einbaut.

Ghetto Style

Gangsta-Rapper wie Kollegah oder Capital Bra haben es vorgemacht: Wer fame sein will – also gefeiert und geachtet – eignet sich den Habitus türkischer oder russischer Straßengangs an. Beginne Deine Sätze mit „Whalla Habibi“ und rufe Deinen Brudi zärtlich „Cyka blyat“ (russ. Hure). Unter Gangsta-Rap-Freunden ein nicer Drip (eine positive Tat).

Druck DRap-Zitat auf Shirt. Skrrrt!
Druck Dein Lieblings-Rap-Zitat auf Dein Shirt. Skrrrt!

Youtube und Let’s Play

Wer viel auf Youtube-Kanälen rumhängt, vergisst nicht nur zu reallifen (offline sein), er ist auch früher oder später triggered (infiziert). Dann klingt er wie I Blali oder GLP, beginnt seine Sätze mit „Als ob!“ und endet auf „Danke dafür!“ Mit ihren Sprüchen prägen die Youtuber und Let’s Player ganze Generationen und treiben Eltern und Lehrer in den Wahnsinn. Danke dafür!

Memes und Social Media

Memes sind humoristische Bild-Text-Kombinationen, die sich wie ein Lauffeuer im Internet verbreiten. Ein Jugendlicher muss die neuesten Memes kennen, andernfalls ist er echt lost (arm dran) und hat kp (keinen Plan). Food Storys auf Instagram kommentiert er am besten mit einem „Finally, some good fucking food“ (Endlich mal sau gutes Essen) oder auch mit einem „I’m something of a [cook] myself“ (Ich bin selbst auch ein Koch) wobei „cook“ je nach Kontext durch andere hervorragende Fähigkeiten ersetzt werden kann. Provoziert er versehentlich einen Shitstorm, beendet er die Debatte einfach mit „Bruder, muss los!“ und stiehlt sich so gekonnt aus der peinlichen Situation.

Definition von Lost - Jugendsprache
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Wortneuschöpfungen

Im „kreativisieren“ sind Jugendliche unschlagbar! Wer sonst kommt auf so großartige Begriffe wie Biolärm (Vogelgezwitscher) oder Earthporn (schöne Landschaft) und prägt so bildhafte Verben wie Expresso machen (Schluss machen) oder wikifizieren (auf Wikipedia verifizieren)? Spaß am Gestalten steckt in jedem, aber ganz besonders in Jugendlichen!

Altdeutsch

Wenigstens bei dieser Sprachmode reiben Deutschlehrer sich die Hände: Jugendliche greifen in Großvaters Mottenkiste und holen Altdeutsch heraus. Man hängt nicht mehr mit seinen Kumpeln rum, sondern mit seiner Sippe. Ein netter Mensch ist ein Ehrenmann oder bester Mann. Anders als ein Knecht, der ist nämlich wirklich ein Opfer.

Was da soos?!

Wie Du siehst, Jugendsprache ist extrem kreativ und vielfältig. Wenn Du Dich immer noch fragst, was da soos ist, dann such Doch einfach mal bei YouTube.

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