Haustiere: Eine Liebesbeziehung voller Missverständnisse

Haustiere: Eine Liebesbeziehung voller Missverständnisse

Passend zum „Love your pet day” – zu deutsch: Liebe-Dein-Haustier-Tag – haben wir uns gefragt: Was ist eigentlich dran, an der Sache von der bedingungslosen und aufopferungsvollen Liebe zwischen Mensch und Tier?

Sind wir mal ehrlich: Ganz so harmonisch ist das Zusammenleben mit unseren vermeintlich besten Freunden nicht immer. Eine Umfrage im Kolleg*innenkreis offenbart dann auch ein eher differenzierteres, wenn auch nicht weniger liebevolles Bild.

Ralf über Paddy, den Papagei

Sein Name war Paddy. Paddy der Papagei. Das Problem: Paddy mochte mich nicht sonderlich. Er mochte eher meine Oma. Eigentlich mochte er nur meine Oma und niemanden sonst. Als ich acht Jahre alt war, wollte ich unbedingt Freundschaft mit Paddy schließen. Ich wollte es einfach nicht mehr akzeptieren, dass er mich – sobald ich mich seinem Käfig näherte – feindselig und angriffslustig anschrie. Er schlug mit seinem Flügeln und versuchte sich mit seinem Schnabel durch die Gitterstäbe zu mir durch zu hacken. Ohne Frage: Paddy war ein verrückter Vogel. Und doch schmiedete ich einen Plan.

Vielleicht mochte er ja nur seinen Käfig nicht? Deswegen war ich mir ganz sicher, dass wir im Freien bestimmt beste Freunde werden würden. Für ein Leben lang. Also öffnete ich vorsichtig die Tür zu seinem Käfig und wollte mich dann geduldig aufs Sofa setzen und warten bis Paddy bereit ist, Freundschaft zu schließen. Ich erinnere mich, dass ich ziemlich stolz auf meine pazifistische Grundhaltung war.

Paddy war da anders. Auf halben Weg zum Sofa wurde ich attackiert. Paddy grub seine Krallen in meine Kopfhaut, begann meine Haare auszureißen und hackte auf meiner Stirn herum. Ich schrie um mein Leben und flüchtete in die Küche. Dort schaute meine Oma entsetzt vom Kartoffelschälen auf. Ich weiß noch, dass ich drei Portionen zum Nachtisch bekam. Gleichzeitig musste ich versprechen, meiner Mutter nichts zu erzählen.

Olivia über Princess, die Schlange

Das größte Mysterium meiner Kindheit war die Frage, wie sich Schlangen fortbewegen – so ganz ohne Beine? Im Alter von acht Jahren adoptierte ich meine erste Schlange. Nichts Exotisches, wie eine grüne Python. Nichts Giftiges, wie eine Wassermokassinotter. Nichts Naheliegendes, wie eine harmlose Strumpfbandnatter aus dem Hinterhof meiner damaligen amerikanischen Heimat. Wie in allen Büchern zur Schlangenhaltung empfohlen, wollte ich eine Kornnatter. Ich nannte sie Princess.

Ich stellte mir vor, wie Princess schnell auf die Länge von einem Meter anwachsen und ich sie – drapiert über meine Schultern – überall mit hinnehmen könnte. Leider ist eine Schlange, so mysteriös sie auch sein mag, kein besonders spannendes Haustier. Sie fressen nur zweimal pro Woche gefrorene Mäuse und liegen sonst auf der faulen Haut – wenn sie sich nicht gerade häuten.

Mein Fazit: Wer auf der Suche nach einem rätselhaften Haustier ist, dass sich ohne Beine fortbewegt, sollte es mit einem Goldfisch versuchen.

Oskar (12) über seine Meerschweinchen Toffee und Sternchen

Ich bekam meine zwei Meerschweinchen, als ich 9 war. Eigentlich wollte ich sie Semjuel und Schmenjuel nennen, aber das fanden meine Mutter und mein Freund Tilman doof. Also nannten wir sie Toffe und Sternchen. Am Anfang wohnten die beiden im Garten. Sie hatten einen zweistöckigen Stall, waren aber zu ängstlich, um in die obere Etage zu laufen. Da haben Tilman und ich es ihnen beigebracht. Mit Möhren haben wir sie gelockt, den Weg gezeigt und auch schon mal in die richtige Richtung gestupst, bis sie am Ziel waren. Später mussten Toffee und Sternchen in mein Zimmer umziehen, weil im Garten der Fuchs war. Er hat nachts am Stall gekratzt und Tunnel ausgehoben und sie einmal fast aufgefressen. In meinem Zimmer hatten sie es unter meinem Hochbett gemütlich. Ich habe jeden Abend einen der beiden rausgeholt und gestreichelt, immer abwechselnd, damit keiner eifersüchtig wird. Am süßesten fand ich, wenn sie gähnten. Das sieht soooo knuffig aus mit dem kleinen süßen Mund und den langen Vorderzähnen! Lustig war auch, wenn sie sich um Essen stritten. Da haben sie sich manchmal aufgeführt wie kleine Rocker mit Lederjacken, die sich gegenseitig Angst machen, damit sie den ganzen Napf und alle Möhren für sich alleine haben.

Sansi über Bubu, den Kater

Es wird ja viel zu Katzen und ihren Besitzer*innen geschrieben und ich fürchte, alles ist wahr. Anders als Hunde sind diese besonderen Vierbeiner nicht unbedingt drollig und tapsig. Die unfreiwillige Komik im Zusammenleben entsteht vielmehr aus einem kompletten Clash der Erwartungen aneinander. Zumindest ist das hier so.
Nehmen wir erst einmal den Kater an sich. Das hiesige Exemplar, ich nenne es aus Datenschutzgründen Bubu, ist auf den ersten Blick weich, elegant und zum Schmusen geboren. So sehe ich das. Bubu hingegen schmust nicht, Bubu legt sich auf den Schoß. Und zwar genau dorthin, wo eigentlich Laptop, Buch oder Tiefkühlpizza liegen sollten. Gezielt und ohne Rücksicht. Gestreichelt werden will Bubu auch nicht mehr als nötig und wenn ich die Zeichen nicht schnell genug richtig deute, fange ich auch schon eine. Hier gehe ich mit, es ist sein Körper, ich lasse ihn. ABER Bubu lässt mich nicht. Zu keiner Zeit und nirgends. Nachts wache ich gegen 4 Uhr schweißgebadet auf, weil der Kater a) vom höchsten Schrank springt und dann eine Büroklammer jagt oder b) in mein schlafendes Gesicht starrt. Was er will, bleibt sein großes Geheimnis. Eventuell ist dem Herrn einfach etwas fad um diese wunderbare Uhrzeit. Ich allerdings möchte einfach nur schlafen. Oder zwischen den Zimmern hin und her gehen, denn ungünstiger Weise muss ich mich einfach ab und an bewegen. Bubu weiß sofort, was zu tun ist: Im Weg stehen und mich zu Fall bringen oder meine Unterschenkel erbarmungslos verfolgen. Ich wiederum möchte weder gestürzt noch verfolgt werden, ich möchte einfach unbeschadet von A nach B gelangen. So ziehen sich die Missverständnisse durch den gemeinsamen Alltag. Ich bestelle einen teuren Kratzbaum, Bubu interessiert sich nur für den Karton. Ich kaufe das gesunde, zuckerfreie (!) Katzenfutter, Bubu lässt es links liegen. Es häufen sich seit seinem Einzug 2018 die Hinweise: Ich kann nichts richtig machen – aber ich sollte es doch bitte weiterhin jeden Tag aufs Neue versuchen.

Jasmin über Bello und Friedl

Unser erstes Tier war ein schneeweißes Kaninchen mit roten Augen. Dann kam Husky Bello hinzu. Eines Tages büchste das Kaninchen aus seinem Käfig im Freien aus und Bello jagte ihm übers Feld hinterher. Was ratzfatz meinen Onkel dazu veranlasste hinter Bello herzujagen.

Glücklicherweise hatte mein Onkel die besseren Jagdskills und Bello gefangen, bevor dieser sich Friedl schnappen konnte und hat so Schlimmeres verhindert. Da sich nun aber Bellos Jagdinstinkt nicht mehr leugnen ließ, gaben wir das Häschen an meinen Cousin. Dort stürzte es eines Tages vom Balkon und starb.

Später lebte ein kleines Hamsterpärchen in meinem Zimmer. Dann kam Kater Nico hinzu. Die Hamster büchsten aus. Als ich von der Schule heimkam, fand ich nur einen Hamster unterm Bett – und einen Blutfleck auf meinem Teppich. Kater Nico hatte Nummer 2 erwischt! Mein Kater starb wenig später beim Versuch, eine Bundesstraße zu überqueren. Heute habe ich weder Haustiere, noch esse ich Fleisch. Außerdem glaube ich an Karma.

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