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Der CTO, der sich selbst überflüssig machen möchte – Interview mit Guido Laures

Im Jahr 2013 kam Guido Laures nach Leipzig. Perfektes Timing, denn zu diesem Zeitpunkt suchte Spreadshirt gerade nach einem neuen technischen Leiter (CTO). Nun sitzt er hier und geht nicht mehr weg, wie er selbst sagt. Zeit mal zu fragen, was er und seine inzwischen 105 Mitarbeiter*innen eigentlich genau machen.

Guido, schön dass Du uns ein paar Fragen beantworten möchtest. Zuerst zu Dir: Was macht man denn als CTO eigentlich?

Das fragen sich so einige (lacht). Tatsächlich sitze ich 35 Stunden meiner Woche in Meetings. Ich muss einfach mit sehr vielen Menschen sprechen, mich abstimmen, delegieren und gemeinsam Entscheidungen treffen.

Ziel meiner Arbeit ist es mich darum zu kümmern, dass allen meinen Mitarbeiter*innen die Mittel, Fähigkeiten und Freiheiten zur Verfügung stehen um selbständig agieren zu können. Das funktioniert sehr gut und ich muss mich nur aktiv einbringen, wenn mal etwas schiefläuft. Das passiert aber wirklich selten. Meistens macht mein Team das schon und ich kann allen voll vertrauen.

Eigentlich würde ich manchmal schon noch gerne selber basteln, aber unsere Entwickler*innen haben mich längst abgehängt (lacht).

Woran genau arbeiten Deine Teams aktuell?

Insgesamt haben wir 11 Teams, die den Lebenszyklus diverser Komponenten der Spreadshirt-Seite betreuen. Nur ein paar Beispiele:

  • Ein Team arbeitet aktuell an einer neuen Version des Design-Tools, mit dem Kunden ihre Produkte selbst gestalten können. Über A/B-Tests und Nuzterbefragungen finden wir heraus, wo die User straucheln und können uns nach ihren Bedürfnissen richten.
  • Für das Bedrucken der Produkte wurden gerade neue Druckmaschinen angeschafft. Unser Production Team kümmert sich derzeit darum die zugehörige Software anzupassen.
  • Unser Partner Team hat einen neuen Nutzerbereich entwickelt, für den neue Technologien verwendet wurden. Nun werden unsere Partner nach und nach in den neuen Nutzerbereich überführt.
  • Das Customer Service & Communication Team wurde gerade gegründet um für den Kundenservice neue Tools zu entwickeln.
  • Im Team Order Management schreiben wir die gesamte Software für den Bestellprozess – ein Herzstück unserer Plattform – neu und wechseln hier von PHP zu Java. Außerdem binden wir die Google Payment API in Kooperation mit Google ein, um unseren Nutzern einen noch schnelleren und komfortableren Einkauf zu ermöglichen.

Du siehst es gibt immer was zu tun. Die Anforderungen und Möglichkeiten wachsen permanent.

Was sind die größten Herausforderungen bei Euren Projekten?

Komplett neue Prozesse aufzusetzen ist natürlich technologisch immer eine Herausforderung. Vor allem müssen wir darauf achten das laufende Geschäft bei der Implementierung neuer Funktionalitäten nicht zu gefährden. Wir müssen also vorsichtig einen Schritt nach dem anderen machen und dafür sorgen, dass niemand mitbekommt, dass wir im Hintergrund rumbasteln.

Wie sind denn die Teams bei Spreadshirt organisiert?

Wir arbeiten agil nach Scrum. Unsere Teams, bestehend aus Software Engineers, Product Ownern und Designern, sitzen nah beim dazugehörigen Geschäftsbereich und können sich so unmittelbar miteinander abstimmen. Das ermöglicht schnelle und transparente Entscheidungen.

Die Teams treffen die Entscheidungen gemeinsam. Mir ist es sehr wichtig alle mitreden zu lassen und einen Konsens zu finden. Klar kommen so auch mehr Diskussionen auf, aber wir kommen meist schnell zu einer Entscheidung, mit der dann auch alle sehr gut leben können. Einer muss natürlich das finale Go geben und die Verantwortung übernehmen, sonst tritt man auf der Stelle. Wir haben also schon Hierarchien, aber nur so weit wie zwingend erforderlich.

Ich halte mich dabei im Hintergrund, aber man kann mich jederzeit ansprechen. Die agilen Teams sind sehr autonom und brauchen mich kaum.

Auf welche Technologien setzen die Teams zurzeit?

Wir entwickeln vorwiegend mit Java und auch Scala oder Kotlin. PHP haben wir anfangs genutzt, aber schaffen es nun Schritt für Schritt ab. Die einzelnen Teams entscheiden selbst, welche Technologien sie nutzen möchten. Wenn damit alle einverstanden sind und es im Sinne von DevOps funktioniert, passt das super. Das Platform Team sowie das IT Operations Team achten darauf, dass am Ende noch alles miteinander funktioniert und die gesamte Konstruktion stabil steht. Drumherum gibt’s Jira als Ticketsystem, Github, Kubernetes und vieles mehr. Natürlich geht es immer noch besser, aber wir sind definitiv absolut bleeding edge.

Übrigens nutzen wir zu 99% Open-Source-Software, bauen unsere Komponenten zu 95% inhouse und machen komplettes Eigenhosting.

Wie stellt Ihr sicher, dass Ihr auf dem neusten Stand der Technik seid?

Wir sind alle sehr daran interessiert neue Entwicklungen zu verfolgen. Unsere Teams sind so autonom, dass sie von sich aus die neusten Technologien lernen und einsetzen wollen. Spreadshirt unterstützt sie darin durch interne Praktika, regelmäßige Hacking Days, Brown-Bag-Meetings, interne Weiterbildungen und den Besuch von Meet Ups und Fachkonferenzen.

Was würdest Du Dir für Deine Teams wünschen?

Noch mehr tatkräftige Unterstützung. Wir haben uns für die kommenden Jahre viel vorgenommen. Deshalb suchen wir weitere Spezialisten im Frontend und im Backend und auch im Product Management und Design.